Posts by thera

    Lieber Winfried,


    danke für Deine guten Worte. Mein Ausgangspunkt war jedenfalls nicht, Klusts Vergangenheit, sollte sie 'böse' gewesen sein, zu verklären. Und die Geschichte mit KZ Sachsenhausen ist nur ein winziger Puzzleteil ihres Lebens. Mich hätte ihr musikalischer Werdegang noch mehr interessiert, oder ihre Netzwerke vor dem Krieg usw.


    Es ist aber interessant, dass dieser Ausweis, obwohl er kyrillische Schrift trägt und eine Zeit nach den NAZIs suggeriert, Klust quasi automatisch in Verbindung mit den NAZIs gebracht hat. Soweit ich weiß, trat Klust auch mit Leuten wie Louise Hartung auf, die Auftrittsverbot gehabt hatte. Du hast Recht, dass die Liebe zur Musik noch keinen 'Gutmenschen' macht. Aber wenn ein Musiker versucht, in einer überaus gefährlichen Situation zu überleben und seiner Berufung nachzugehen - ich glaube, das haben die meisten gemacht - macht es ihn auch noch nicht zu einem 'Schlechtmenschen'. Das Schweigen ist zwar ethisch nicht vertretbar, es war aber für viele die einzige Überlebenschance. Claudio Arrau, dessen Ehefrau vielen Juden geholfen haben soll, hielt auch den Mund und trat bis 1940 in Deutschland ununterbrochen auf, bis er emigrierte. Das hört sich heute schrecklich und anstrengend an, ich denke aber, dass er wahnsinnig geschickt gehandelt und sehr viel Glück gehabt hat.


    Werde noch eine Weile beim Thema Hertha Klust bleiben. Schreibe gerade den Antrag und hoffe, dass das Projekt 2022 realisiert werden kann. Bin immer noch auf der Suche nach Zeugnissen ihres Lebens und Werdegangs und wäre weiterhin sehr dankbar über jeden Hinweis.

    Liebe Grüße, Eure

    thera

    NEWS!!


    Lieber Winfried,


    habe bei der Gedenkstätte Sachsenhausen angefragt. Sie ist nicht in den 'offiziellen' Unterlagen. Dank einem Schüler-Projekt "Befreier, Befreite, Besiegte" (Zusammenarbeit deutsche & russische Schüler) fand die sehr freundliche und hilfsbereite Archiv-Mitarbeiterin einen Hinweis über Klust: Aufenthalt wohl 31.5.-4.6.1945 im KZ Sachsenhausen, sie besuchte ihre Nichte in Oranienburg, die dort nach der Befreiung als Hilfsschwester arbeitete. Die Nichte nahm die Tante mit, da es dort für die Arbeit Essen gab. Klust half wohl auch mit, die Kranken zu betreuen. Es ist also anders als man dachte. Eins ist sicher, dass Klust sehr an Hunger gelitten haben muss...


    Liebe Grüße, thera

    Lieber Winfried,


    vermutet man (vermutest Du), dass Klust bei den Russen arbeitete? Was war ihre Funktion dort? Wie lange war sie dort? Warum musste sie ihre Gesangkarriere aufgegeben (sie hatte Gehörproblem, woher hatte sie es?)? Nicht jede Sängerin hatte damals Plattenaufnahmen. Und wann hat sie Klavier gelernt? Klust beherrscht das Instrument perfekt! Das sind die Fragen, die mich umtreiben.


    Wenn Klust als 'Täter' wegen der oben gezeigten Dokumente gesehen wird, finde ich die Sichtweise zu simplifiziert. Furtwängler blieb ja auch die ganze Zeit der Chef-Dirigent der Berliner Philharmoniker. Ihm wurde sogar der Prozess wegen Kollaboration gemacht, wovon er, auch dank Zeugenaussagen von prominenten jüdischen Musikern, freigesprochen wurde. Auch nur weil er an so einer Position war, konnte er einige Leute retten. Gewiss kann man Klust nicht mit Furtwängler auf diese Weise vergleichen. Will nur sagen, dass man einen umfassenderen Blick auf die Sachen werfen soll.


    Wenn sie als 'Opfer' angesehen wird, dann muss man doch diese Geschichte herausarbeiten. Einzelschicksale sind wichtig, damit die Geschichte nicht vergessen wird.


    Ich finde nicht mal die Geburtsurkunde von Klust (heute schon öffentlich zugängliches Archivmaterial). Wohl auch durch den Krieg verschollen...


    Jedenfalls hoffe ich weiter auf mehr Material. :=)


    Liebe Grüße,

    thera (ich bin weiblichen Geschlechts :))

    Lieber Winfried,


    es ist so toll, dass Ihr euch für das Thema interessiert!


    Ich habe tatsächlich auf FB Stefan erreicht. Er sagte mir nur, dass der Nachlass nicht mehr da ist. Er will mir auch nicht verraten, von wem der Nachlass kam und was er alles über Hertha Klust gefunden hatte. Bin wirklich ziemlich ratlos.


    Für das Leben Klusts ab 1950 habe ich Zeitzeugen gefunden. Es sind Familienmitglieder von damals sehr prominenten Sängern. Die Zeugen sind überaus froh, über vergangene Zeiten zu erzählen. Allerdings waren sie damals noch klein und kannten die Lebensgeschichte Klusts nicht wirklich. Für sie war Klust die Begleiterin, die "immer im Hause" war.


    Das Keramikmuseum H.Bollhagen in Velten hat einen Keramiktisch geschenkt bekommen, den Bollhagen als Hochzeitsgeschenk für Hertha Klust gemacht haben soll. Über das Museum versuche ich auch, den Kontakt zur Stifterin (aus Oranienburg) herauszubekommen. Bisher noch keine Meldung...


    Und Hertha Klust hieß vor der Heirat (nicht so sicher, ob diese offiziell stattgefunden hat) tatsächlich Wurzbach. Es gibt noch einige Schellack-Platten mit dem Sopran Hertha Wurzbach (Staatsoper, Berlin) auf dem Markt. Es kann nur die Hertha sein, oder? Ihr Mann hieß Otto Klust, war älter und Mitglied der königlichen Kapelle und Bratsche-Lehrer bei der Franz Liszt-Akademie von Martha Remmert usw.. Er starb 1941 (wohl Selbstmord).


    Das ist so ungefähr alles, was ich bisher herausfinden konnte. Es waren wirklich großartige Musiker, die heute komplett vergessen sind... Wenn jemand hier zufällig noch einen Hinweis hätte, wäre ich natürlich super dankbar!


    Ganz liebe Grüße an Alle,

    thera

    Hallo Stefan,


    wegen eines Kultur-Projekts bin ich auf der Suche nach Informationen über Hertha Klust und stieß auf Dein Post. Ich hoffe, Sie schauen noch ab und an nach Meldungen dieses Forums. Haben Sie noch den Nachlass? Wie kann ich Sie erreichen?


    Freundliche Grüße, thera