sandalenlösende Venus

  • Hallo,

    ich habe vor einiger Zeit eine Bronzefigur einer "sandalenlösenden Venus" (Aphrodite) erworben. Höhe: 16,5cm,Gewicht: 400gr. Der linke Arm ist angebrochen aber noch stabil. Im Internet kann man eine fast identische originale, römische mit 17,5cm und einige fast identische nachgemachte aus neuerer Zeit finden. Jedoch unterscheiden sich alle, vor allem in der Sockelornamenikund der Größe, an den Arm- und Fußringen und einigen anderen geringen Merkmalen. Die ähnliche Sockelornamentik wie bei meiner Venus habe ich bei einer Herculesstatue im Museum von Weissenburg gefunden Die Figur hat keine Signatur. Das letzte Bild zeigt das Original vom Museum in Napoli.
    Der Verkäufer machte folgende Angaben: leider weiß ich nicht allzuviel über Künstler und Herkunft. Meine Mutter (geb. 1923) lebte und arbeitete damals bis ca. 1945 bei einem schlesischen Landgutbesitzer adliger Herkunft. Während der Flucht aus Schlesien zum Ende des zweiten Weltkrieges hat wohl jeder irgendetwas eingepackt. Die "gnädige Frau und Herr" wie meine Mutter sagte, waren zum Fluchtzeitpunkt des einfachen Volkes schon über alle Berge.
    Seitdem steht die Venus bei meiner Familie und nach dem Tod meiner Eltern ist jetzt Zeit "aufzuräumen".
    Viel Spaß an der Schönen
    Dr.........
    Kann mir vielleicht jemand Hilfestellung zur Altersbestimmung dieser Venus geben. Irgendwie komme ich nicht weiter

    Schöne Grüße
    Julchen

  • PS: Die Venus wurde an machen Stellen, vorallem den erhabenen Stellen extrem geputzt, da hier die Bronze unter der Patina schon durchkommt. Was mir komisch vorkommt ist die unbearbeitete und ungereinigte Sockelunter- und Innenseite. Warum macht man sich die Arbeit, solch eine Figur herzustellen und dann entfernt man nicht mal die Gußrückstände im Sockel.

    Gruß
    Julchen

    Edited once, last by Julchen (December 26, 2013 at 10:22 PM).

  • augusteische Venus nach hellenistischem Vorbild.
    So kann man sie, rein von der Erscheinung her, auf deinen hier vorgestellten Bildern ansprechen. Was gegen die Echtheit spricht, ist der Schmuck der Venus- hier bei deiner wohl Bronzedraht. Beim Original ist er immer aus Gold.
    Ein weiterer Faktor, der rein logisch gegen die Echtheit spricht, ist der Umstand der Erwerbung. Da Originale in der Größe und dieser begehrten Darstellung im 5stelligen Euro Bereich liegen, kann man, vorrausgesetzt du bist kein professioneller Antikenhändler, nur von einer Repro ausgehen.
    Zum Glück hast du unter dem Sockel noch überflüssigen Anguss, den kannst du zur Untersuchung einschicken.
    Die Untersuchung ist bei Bronze einfach, da die Fälscher immer neuzeitliches Kupfer verwenden. Die kurzlebigen Blei-Isotopen sind hier entscheidend,sind diese noch vorhanden, ist der Sachverhalt klar.
    Wenn du meinst sie untersuchen zu wollen, kann ich dir die Adresse eines materialtechnischen Prüfungsamtes posten

    In Hessen ist der Dativ dem Genitiv sein Tod

  • Hallo,

    vielen Dank für die Einschätzung. Ich bin kein Profi. Ich kaufe nur was mir ins Auge sticht und meiner Meinung nach günstig ist. Was den Schmuck anbelangt, habe ich aber schon einige Originale aus röm. Zeit gesehen, bei denen der Schmuck ebenfalls aus Bronze ist. (s. Beispielbild). Was die Umstände des Erwerbs anbelangt, bin ich Deiner Meinung. Ich glaube auch nicht, dass jemand beim Entrümpeln so eine originale röm. Figur findet und diese dann für ein paar Euro verschleudert.
    Vielleicht lasse ich sie doch irgendwann mal untersuchen, aber das wird wahrscheinlich vom Preis her den Kaufpreis weit überschreiten.
    Ich habe noch nie eine Bronzefigur von unten gesehen. Ist es üblich den Anguß so zu belassen? Bei dem Aufwand für die Herstellung einer solchen Figur, wäre es doch wirklich nicht übertrieben, diesen weg zu schleifen.

    Lg.
    Julchen

  • Du kannst die Arbeit aus dem Zentrum Rom oder unmittelbarer Umgebung Latinum nicht mit provinzialrömischen Arbeiten vergleichen. Sicher haben da auch Künstler gearbeitet die gut waren, aber die Überzahl der Arbeiten ist von reisenden Werkstätten gegossen worden, für die Villa Rustica oder als Opfergabe in für Flussgottheiten in EINFACHSTER Ausführung(Trier).

    In Hessen ist der Dativ dem Genitiv sein Tod

  • Da ich bis 2007 selbst im größeren Umfang mit Antiken gehandelt habe, kannst du mal die Bruchstelle am Arm zeigen, vielleicht sagt uns die geplatzte Patina etwas über die Enstehung der Figur.

    In Hessen ist der Dativ dem Genitiv sein Tod

  • Hallo Peter,

    werde ich machen. Vielen Dank, dass Du dich mit der Venus befasst hast und auf kompetente Art und Weise zu einer Bestimmung und zur weiteren Vorgehensweise gekommen bist.
    Ich wünsche den ganzen Team hier ein gutes neues Jahr und macht bitte weiter so.

    Lg.
    Julchen

  • Ich danke Dir ,dass du diese tolle Figur hier bei uns eingestellt hast und ich danke dir besonders für die Würdigung unserer Arbeit hier im Forum.
    Weiterhin alles Gute und "gut find" wie man in unseren Kreisen sagt.

    In Hessen ist der Dativ dem Genitiv sein Tod

  • Liebe Julchen, hätte mal eine Frage. Ich habe auch so eine sandalenlösende Aphrodite, die sehr ähnlich aussieht. Was ist denn bei den Nachforschungen herausgekommen? Bei meiner steht drunter, sie sei von 1600 aus Florenz. Aber das halte ich für Unsinn, das römische Original ist doch erst Ende des 18. Jahrhunderts in Herculaneum gefunden worden. Es gibt zwar eine etwas ähnliche von Giamobologna aus Florenz aus der Renaissance, aber eben auch nur ähnlich. Ich würde ja vermuten, dass meine aus dem 19. Jahrhundert, der Zeit der Grandtour ist und dann vielleicht aus Neapel stammt, wo das Original heute im Museum ist oder? Fürs 20. Jahrhundert sieht sie, und auch der Sockel, irgendwie zu alt aus. Aber das ist natürlich nur ein Gefühl...

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