Geldschrank auf Rollen, Reisetresor mit Trickschloss

  • Habe hier einen Geldschrank mit aufwendigem Trickschloss mit 14 ! Zuhaltungen.

    Für mich ist sehr kurios dass es Tragegriffe gibt und der Geldschrank/Kasten auf Rollen zu bewegen ist.

    Noch etwas kurioses aber für Fachkundige auch erklärendes ist die Tatsache dass in der Mitte der Rückwand eine rechteckige Öffnung ist.

    Beim schieben des Kastens nach hinten kann ein an der Wand befestigter Stahlhaken in den Kasten einfahren und sich verriegeln.

    Das entriegeln ist nur von innen bei geöffneter Tür möglich.


    Es wäre schön wenn jemand Licht ins Dunkel bringen kann im Bezug auf Herkunft, Alter und evtl. Wert.


    Viele Grüße

    Riva

    • Official Post

    :) Hallo Riva,


    und herzlichen Glückwunsch zu diesem wundervollen Tresor-Schloss. Es ist eine Freude, dieses Schloss anzuschauen und sich vorzustellen, wie alle Zuhaltungen mit sattem Plopp greifen.

    Ich habe mir erlaubt unser Mitglied R35 anzuschreiben, damit er sich Deinen Geldschrank einmal anschaut. Rr ist auf diesem Gebiet sehr stark unterwegs und kann Dir bestimmt einiges dazu sagen.

    Liebe Grüße Winfried




    Mein Avatar zeigt ein Narrenflötchen des 16. Jahrhunderts aus dem Töpferort Raeren.


    Alle meine Aussagen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen, jedoch ohne Gewähr für Ihre Richtigkeit. In keinem Fall wird für Schäden, die sich aus der Verwendung der abgerufenen Inhalte ergeben, Haftung übernommen.

  • Hallo Eisenfreunde, lieber Riva,


    ich muss gestehen, so einen Tresor habe ich auch noch nicht gesehen, Eisentruhen jedoch schon Hunderte.


    Der Wunsch wertvolles sicher zu verwahren begann ja spätestens in der Gotik mit kleinen Kästchen und Laden. In der Renaissance und im Barock gewannen zierliche Kistchen für die Dame und schwere Truhen für Zünfte, Kriegsherren, Adelige und Kaufleute an Bedeutung. Frühe Truhen um 1600 hatten oft keine Schlossplatte, das Riegelwerk selbst war mit Zierelementen versehen, man wollte zeigen, was man hatte und sich leisten konnte. Später bekamen die Riegelwerke Abdeckungen, anfangs noch durchbrochen, gebläut, geätzt oder ziseliert. Als der Markt mehr Behältnisse zum Verwahren verlangte, wurden die Truhen einfacher, oft waren einfache Bleche über die noch einfacher wirkenden Riegelwerke geschraubt, die Kisten mussten eben nur ihren Zweck erfüllen.


    Um 1850 wurden die Truhen glatter, die maschinelle Produktion begann und läutete den Übergang zu stehenden Tresoren des Industriezeitalters ein, die handwerklich aufwendigen Truhen verloren an Bedeutung, allmählich gelangten diese herrlichen Kunstwerke in Museen, wo sie heute noch zu finden sind.


    Deine Truhe ist wohl der Übergang zum Tresor, jedoch mit einem sehr aufwendigen Schloss, sie musste nicht mehr schön aussehen nur wertvolle Dinge sicher verwahren. Vielleicht war es eine Auftragsarbeit für eine Nische im Mauerwerk, der kleine Tresor konnte nach Belieben herausgezogen werden.


    Wie groß ist denn der Tresor, insbesondere das Türchen? Vielleicht kannst du noch ein paar Detailaufnahmen vom Schloss machen.


    Schau dich mal hier ein wenig um.


    R35


    Eiserne Grüße

    Thomas :)

    Schlüssel, Vorhängeschlösser und Eisentruhen aus der Zeit 1500-1700 gesucht

    • Official Post

    :) :)


    Danke lieber Thomas für Deine Antwort.

    Liebe Grüße Winfried




    Mein Avatar zeigt ein Narrenflötchen des 16. Jahrhunderts aus dem Töpferort Raeren.


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  • Hallo Thomas!


    Danke für den geschichtlichen Rückblick zum Thema.

    Habe alles mal vermessen und ein Paar Detailaufnahmen gemacht.


    Das Tresörchen ist 53,5cm breit ; 59,5cm hoch ; 49,5cm tief

    Das Türchen ist 38,5cm breit ; 29,0cm hoch ; 5,0cm tief


    Die Aufnahmen vom Blech mit der Lampe zeigen dass das Blech nicht gewalzt zu sein scheint, es ist jedenfalls unregelmäßig leicht wellig.

    Innen sind Bleche mit gerollter Kante zur Ablage von Gegenständen und/oder zur Stabilisierung des Korpus angebracht.


    Liebe Grüße

    Manfred

    • Official Post

    :)



    Unser lieber Dreiwirbel hat sich den Tresor auch angeschaut und wir haben telefoniert Unsere Überlegungen sind vielleicht etwas ketzerisch und möglicherweise auch nicht der Wahrheit entsprechend. Dreiwirbel sagte mir, dass jemand die Platte mit dem Schloss mit Gewalt aus einer alten Kriegskasse ausgebaut hat. da der Schlüssel verloren war. Vielleicht mit Flex oder mit Säge.

    Die Schlossplatte wurde dann in einen einfachen alten Wandtresor gebaut. Da kein Schlüssel vorhanden war, wurde die Kapelle des Schlosses entfernt, die komplizierten Zuhaltungsscheiben für einen komplizierten Schlüssel entfernt und durch eine simple Zuhaltungs-Scheibe ersetzt.


    Was mich beim Betrachten der ersten Bilder der Kiste gewundert hat: dass ein so schönes und aufwändiges Schloss mit 14 Zuhaltungen über so einen simplen Schlüssel verfügt. Bart ohne jede Zacken. Mit einem einfachen Nageldietrich zu öffnen. Wir meinen also, dass es sich hier um eine Marriage einer alten Kriegskasse mit einem neueren Wandtresor handelt, wo in dem Schloss die alte Schließvorrichtung entfernt wurde und für einen Schlüssel, der gerade zur Hand war, umgebaut wurde.


    Was meint Ihr?

    Das ändert nichts an der Tatsache, dass das Schloss "der Hammer" ist.

    Liebe Grüße Winfried




    Mein Avatar zeigt ein Narrenflötchen des 16. Jahrhunderts aus dem Töpferort Raeren.


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  • Dieser Tresor passt so recht in keine Schublade.



    Das die Schlossplatte in einer Truhe ein vorheriges Leben hatte, sehe ich nicht so recht. Mit den Maßen von 38,5cm x 29,0cm wäre es ein sehr ungewöhnliches Maß für eine herkömmliche Truhe. Das Eingericht ist doch Standard, die wenigsten Truhen hatten ein Kapelleneingericht. Ein kompliziertes Eingericht selbst war die hohe Schule des Schlosserhandwerks, was nicht jedermann beherrschte der eine Truhe bauen konnte.



    Allemal bleibt es außergewöhnliches Stück, außen siehts aus wie ein Kohlenkasten, innen wunderschönes Schloss.


    Grüße

    Thomas

    Schlüssel, Vorhängeschlösser und Eisentruhen aus der Zeit 1500-1700 gesucht

  • Hallo an alle!


    Was noch ein sehr interessantes Detail ist und die Fantasie beflügelt ist der vorhandene kleine Rest Siegellack an dem oberen Profil

    der Platte die das Schlüsselloch verdeckt.

    Gestern ist der Untere Rest beim Hochschnellen der Abdeckung, da sie unter Federdruck steht und durch zwei Fingerbewegungen

    zum Öffnen bewegt wird, abgeplatzt.

    Ich habe diesen winzigen Rest Siegellack vorhin wieder vorsichtig angeklebt.

    Ich lasse in Zukunft die Abdeckung nicht mehr Hochschnellen.

    Liebe Grüße

    Manfred

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