Gemälde 1837 aus Erbschaft

  • Hallo Rmaren, willkommen auf unserem Forum. Ich denke nicht daß nur Einer von uns in der Lage ist den Attentäter zu identifizieren. Bei genauester Betrachtung fällt mir auf, daß vermutlich mehrere Attentäter am Werk waren.


    Betrachte und analysiere das Bild mal Schritt für Schritt. Beginnen wir beim Sujet: Romantisches Zeitalter, Lautenspieler gibt ein Ständchen den zwei Dämchen am Brunnen in der Höhle. Im Hintergrund lichtblau/rosefarbener Himmel, tiefer Sonnenstand (Wolken von Unten beleuchtet), gefälliges Gebirge im Schatten zum Betrachter an dunklem See. Die Licht und Schattenspiele sind ungekonnt und unnatürlich. Und wo gibt es einen (Dorf-) Brunnen, gemauert, in einer Höhle? Also ein Attentäter hat sich wohl mit dem Hintergrund befaßt.


    Bei der Dreiergruppe wird es noch interessanter. Betrachten wir nun zuerst den Lautenspieler. Seine Gesichtszüge sind wirklich professionell durchgemalen; also von einem ausgebildeten Künstler erstellt. Jedoch den Hut hat der Künstler nicht draufgeknallt. Die Visage der Dame rechts ist auch nicht schlecht, aber bei weitem nicht so durchgemalen wie jene des Lautenspielers. Na und das Dämchen links? Komplett flach gemalen, keine Finesse, Zweidimensional bzw. sehr schlampig erstellt. Ob hier wohl ein kompletter Amateur Kunstunterricht bei einem Fachman nahm? Fachmann malte Gesicht des Lautenspielers, gibt Hilfe bei der Dame rechts, Amateur geht nach Hause und komplettiert die Dame links.


    Ähnliches trifft in gleicher Weise auf Körper und Haltung zu. Lautenspieler OK, Dame rechts mittelmäßig, Dame links zweidimensionales Desaster.


    Um es auf einen Nenner zu bringen: Der Attentäter war ein übler Pinselschwinger welcher glaubte, durch Fachunterricht den inneren Rembrandt erwecken zu können. Sicher bin ich mir, daß er es nicht wagte das Endprodukt seinem Lehrherren zur Beurteilung zu zeigen. Also zwei Attentäter (mindestens): Der akademisch ausgebildete Künstler und der unbegabte Pinselschwinger.


    Wenns Dir gefällt behalte es. Vom Wert her sehe ich es im unteren zweistelligen Bereich. Es gibt wesentlich bessere Gemälde von Unbekannt aber Begabten am Markt welche im oberen Zeistelligen Bereich gehandelt werden.

  • Hi Austroparts,


    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Denkst Du es könnte eine italienische Landschaft sein?


    Sehr unterhaltsam. Könntest Du bitte noch erläutern was genau Du mit unterer zweistelliger Bereich meinst?


    Viele Grüße,

  • Ich denke, daß es sich hierbei um keine reale, sondern eine ideale Landschaft handelt. In anderen Worten: Reine Fantasie. Zarte Farbtöne, weiche Übergänge, warmes Licht, komponierte Szenen, usw. Also kein reales Abbild einer bestimmten Gegend.


    Ich sehe hier ca. Euro 20.00 - 40.00. Mehr sicher nicht es sei denn, jemand hat es aus welchen Gründen auch immer auf dieses sehr schlecht komponiertes und gemaltes Bild abgesehen.

  • Also, für 99 Euro würde ich das Bild sofort nehmen, keine Frage. Es ist tatsächlich eine südliche Landschaft, wahrscheinlich italienisch. Romantik passt, es ist eine Zeit in der dieses Land das absolute Sehnsuchtsland, als Wiege de Kunst betrachtet wurde, und wer es sich irgendwie leisten konnte vebrachte mindestens einige Monate dort, allen voran natürlich Goethe, die Humboldt- Brüder, Ludwig Richter, Kaspar David Friedrich, Seume... Das macht dieses Bild zu einem absoluten Zeitdokument und damit auch wertvoll. Leider ist das Foto schlecht ausgeleuchtet aber was man sehen kann ist dass der Maler kein ganz schlechter Handwerker war, zumal man ein Bild der Romantik nicht mit dem Rasiermesser des Realismus balbieren darf. Die Figuren in ihren Gewändern (man beachte den sorfältig argestellten Faltenwurf) sind recht ordentlich dargestellt, und eine Quellfassung mit einem Brunnentrog ist nichts aussergwöhnliches. Es ist sicher nicht die ganz grosse Kunst, abe rwenn es gelingt das Monogramm aufzulösen könnte der Preis ohne weiteres bei einem guten Zustand auch vierstellig oder jenach Bekanntheit des Pinselschwingers noch höher werden, meine ich. ps es gibt einige Verzeichnisse von Künstler- Monogrammen im Netz, einfach mal ein paar Stunden investieren, könnte sich lohnen. Mir fehlt gerade etwas die Zeit dazu.

    • Official Post

    :)


    Ich will hier niemanden kritisieren, wir alle versuchen aus bestem Wissen und Gewissen unser Forum seit über einem Jahrzehnt mit unserem Sachverstand, Bauchgefühl, mit unserem Wissen und Halbwissen , mit unserem Glauben und Meinen zu beraten, aufzuklären, zu bestärken und zu warnen.


    Bei diesem Gemälde tendiere ich mehr zu der Aussage von Edixa. Sicherlich nicht die große Kunst, aber auch nicht die ganz kleine. Die Dame, die von der Seite gemalt wurde, besticht durch ihr stolzes römisches Profil. Der Faltenwurf des Rockes schön gemalt, und auch im Gesicht wurden die Farben schön variiert. Zu sehen bei 300+ Vergrößerung, z.B. der winzige Schatten unter der Unterlippe der Dame zum Kinn.


    Die Landschaft, die Höhle, der Brunnen, alles romantisch verklärt. Ich würde den Wert des Bildes auch erheblich höher einschätzen, als Du, lieber Charlie das gemacht hast. Aber, wie gesagt, das ist halt nur mein Bauchgefühl. Als echter Kenner der Materie trete ich hierbei nicht auf.

    Liebe Grüße Winfried




    Mein Avatar zeigt ein Narrenflötchen des 16. Jahrhunderts aus dem Töpferort Raeren.


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  • Hallo

    evtl. kann ich dazu einen kleinen Hinweis geben - erst mal möchte ich sagen, dass ich es persönlich etwas despektierlich finde bei dem Gemälde von Pinselschwinger und Attentäter zu sprechen. (Macht es erst mal besser!) Gut es ist nicht die 1. Qualität, das sehe ich auch, keine Frage. Aber ich ich habe schon schlechtere Gemälde in Auktionen gesehen, die auch gekauft werden.

    Also zum Gemälde: eindeutig handelt es sich hier um charakteristische römische Volkstrachten wie sie etwa in Genzano bei Rom üblich waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Rom fanden sich im 19. Jahrhundert Hunderte von Maler ein, die den Topos der Volkstrachten und die Grotten in Rom, Amalfi oder Neapel zum Bildgegenstand wählten. Bei dem Herrn kann man evtl. die Tracht der sog. Pifferati heranziehen, das waren umherziehende Wandermusiker. Natürlich ist das hier eine Ideallandschaft, die sich aber auf viele vorort zu finden Landschaften beziehen. Es werden also Versatzstücke zusammengebracht um ein in der damaligen Zeit beliebtes Sujet zu bedienen. Mit der Signatur fällt mir evtl. die Schweizer Autodidaktin / Malerin Emilie Linder ein, die sich in in den 1820er lange in Italien und v.a. Rom aufhielt. Ich will das nun nicht konkret ihr zuschreiben - dazu fehlen mir hier eindeutige Belege / Vergleichsstücke - aber es wäre zumindest ein Ansatz und bedürfte einer genaueren Überprüfung. Denkbar wäre auch dass es ein Vorbild / evtl. ja gar eine Druckgrafik gibt, das ein Malerliebhaber in dieser Form kopiert hat, evtl. sogar für Touristen die sich damals auf Grand Tour befanden und sich gerne Erinnerungstücke aus Italien mit nach Hause brachten. Ich finde es jedenfalls ein zeittypisches Gemälde, das man bewahren sollte. Falls sie es verkaufen wollen, würde ich ein einschlägiges Auktionshaus empfehlen, das häufiger Gemälde der Romantik / Nazzarener im Repertoire hat. Evtl. können dortige Fachleute das auch einer Malerin / einem Maler konkret zuschreiben.

    Gruss Roland

  • Wenns hier nicht verzeichnet ist dann siehts schlecht aus.


    Im kvk- Katalog nach dem nächsten einsehbaren öffentlichen Exemplar suchen oder bei einem grösseren Kunst- Auktionshaus nachfragen

    Autor:
    Franz Goldstein; Paul Pfisterer Titel:
    Künstler-Monogramme und -Signaturen des 19. und 20. Jahrhunderts ISBN-Nummer:
    9783111743189





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