Teeglashalter Jugendstil Katsch

  • Hallo,

    ich bin neu hier und aufgrund meiner Recherche auf dieses Forum aufmerksam geworden. Ich hoffe, mir kann jemand zu folgendem Artikel weiterhelfen.
    Folgende Dinge weiß ich von dem Teeglashalter samt Glas, welche ich von meinen Großeltern erhalten habe:


    - Prägung "Katsch" und "994"
    - seit mindestens 1940 haben sich diese Teeglashalter bereits im Haushalt befunden

    - die Gläser sind wohl handgefertigt, da sie sehr ähnlich, aber doch kleine Unterschiede in der Gravur haben


    Ich hätte nun folgende Fragen:


    - handelt es sich bei der Einprägung "Katsch" um die Silbermanukatur "Alexander Katsch"?

    - oder handelt es sich bei "Katsch" eher um den Herstellort?

    - von welchem Zeitraum könnte man sprechen? 1880-1910?

    - wurden solche Teeglashalter damals separat verkauft oder mit dem Glas?

    - was sagt mir das "994"?

    - um welches Metall könnte es sich handeln?








    Vielen Dank

    Alexander

  • :) Willkommen!


    Du hast ja schon herrliche Vorarbeit geleistet! Katsch ist der Hersteller. Auch ich vermute, dass es "Alexander Katsch, Berlin" sein wird. Auch bei der Datierung hast du Recht, die Halterung wird aus dem späten 19. Jahrhundert kommen. Dann wird es knifflig. Ja, die Halter wurden mit dem Glas verkauft. Ich habe hier aber den starken Verdacht, dass dieses Glas mit den strengen Streifen erst deutlich später als Ersatz für das ursprüngliche Glas eingesetzt wurde. Weil diese Teehalter alle ungefähr die gleichen Maße haben war es einfach zersprungene Gläser zu ersetzen. "994" wird die firmeninterne Modellnummer für den Halter sein. Das Metall ist versilbertes Kupfer.

  • :) Willkommen!


    Du hast ja schon herrliche Vorarbeit geleistet! Katsch ist der Hersteller. Auch ich vermute, dass es "Alexander Katsch, Berlin" sein wird. Auch bei der Datierung hast du Recht, die Halterung wird aus dem späten 19. Jahrhundert kommen. Dann wird es knifflig. Ja, die Halter wurden mit dem Glas verkauft. Ich habe hier aber den starken Verdacht, dass dieses Glas mit den strengen Streifen erst deutlich später als Ersatz für das ursprüngliche Glas eingesetzt wurde. Weil diese Teehalter alle ungefähr die gleichen Maße haben war es einfach zersprungene Gläser zu ersetzen. "994" wird die firmeninterne Modellnummer für den Halter sein. Das Metall ist versilbertes Kupfer.

    Vielen herzlichen Dank :)
    Toll für so viele Infos! Danke.

    Ach, interessant. Und ich dachte, das "994" sei die Metallart oder dergleichen. So wie es die verschiedenen Silber-Nummern gibt.

    Ich habe das hier noch gefunden: https://de.wikipedia.org/wiki/Podstakannik
    Das wäre so etwas, richtig?

    Dieser Alexander Katsch war Hoflieferant in Berlin, St. Petersburg und Moskau. Also Lieferant für Preussen. Kann das sein?
    Kann man sagen, ob so ein Set aus 6 Teeglashaltern und 6 Gläsern damals (also um 1900 herum) günstig war, oder so etwas nicht jeder Haushalt besessen hatte?

    Das mit den Gläsern denke ich auch. Denn die Gravur der Gläser reicht bis an den Boden. Und somit sieht man sie nicht, wenn sie eingesetzt sind. Das wäre irgendwie "unlogisch" in meinen Augen.


    PS: ich habe noch folgendes gefunden von 1871 (Alexander Katsch, Unter den Linden in Berlin)


  • :) Hier ist eine Aufstellung vieler Informationen, die man bisher über Katsch zusammengetragen hat, die zeigt, wie die großen Silberwarenhersteller untereinander verbunden waren:

    https://www.925-1000.com/forum…18&t=21142&p=49203#p49203


    In der Gründerzeit hatten mehr Leute die Möglichkeit sich schön einzurichten als früher. Auch legte man auf Tafelkultur damals besonders viel Wert. Die Ausführung in versilbertem Kupfer wird nicht schrecklich teuer gewesen sein. Viel mehr geht es hier um die Freude für Tee/Kaffee ein eigenes Glas zu verwenden und nicht einfach einen beliebigen Becher oder irgendeine Tasse. Die Käufer waren damals bestimmt sehr stolz auf das Stück.


    Hier sieht man ein Beispiel für die Oberliga in diesem Bereich:

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  • Vielen Dank für die ausführliche Antwort und die Verlinkungen. Ich habe sie mir angesehen und versucht zu verstehen.


    Ich interpretiere und adaptiere das für mich auf die heutige Zeit: ich gönne mir ein paar höherwertige Gläser, die man sich als Normalverdiener nicht jede Woche kaufen kann. Kann ich mir das so in etwa vorstellen?


    Die Teeglashalter sind die letzten Überbleibsel meiner Familie von der Vertreibung 1945 und danach der Flucht 1955 aus der SBZ. Somit haben sie einen idellen Wert für mich.


    Die Gläser sind sicher in der unruhigen Zeit kaputt gegangen. Ich kenne mich mit Glas nicht aus, aber könnte mir schon vorstellen, dass die Gläser irgendwann aus den 1950er Jahren stammen und die ursprünglichen ersetzt haben. Die Gravuren der Gläser sind sehr genau, aber leicht unregelmäßig und die Form der Gläser auch nicht so "fabrikmäßig" wie heutzutage. Zumindest sind die Gläser nachweislich seit den 1970er Jahren so wie hier abgebildet.

  • Wie erkläre ich das jetzt am verständlichsten. :D Es ging nicht um die Freude am Geldausgeben. Es ging um das die Freude am Ritual.


    Fisch wurde nicht mit dem normalen Besteck gegessen, sondern mit dem Fischbesteck, für Weintrauben gabs eine eigene Traubenschere und für Tee eben eigene Teegläser. So hatte man das Gefühl, dass man sich wie der alte Adel verhält und fühlte sich all den Unzivilisierten, die Tee aus den normalen Tassen tranken, überlegen.


    Meine Großeltern zB hatten nur ein kleines Haus aber acht Kinder. Trotzdem wurde der schönste Raum nur an höchsten Feiertagen betreten. Sie waren mächtig stolz so eine gute Stube zu haben.

  • Ich finde Fischmesser praktisch, wenn man ganze Fische mit Gräten teilt, viele kommen aber beim Fischessen über Iglo und Fishmac nicht hinaus.

    Tee oder auch diverse Kaffezubereitungen schmecken aus einem Glas oft besser, heiße Milch gehört in ein Keramikhäferl.

    Wenn wir Gäste haben, zelebrieren wir noch den gedeckten Tisch mit dem "Sonntagsgeschirr", das ich über meine Freundin von ihrer "Erbtante" bekommen habe. Arzberg Löffelhart - es hat mir einfach gefallen, es ging da nicht um einen Wert, habe erst später festgestellt, dass diese Serie aus zweiter HAnd nach wie vor gehandelt wird.

    Auch die Verwendung entsprechender Gläser ist mir wichtig, Wein schmeckt halt aus dem passenden Weinglas anders als aus dem Wasserglas, ich würde ja Whiskey auch nicht aus dem Kaffeebecher trinken. (OK, wenn nix andres da ist... ;) )


    Hätte ich den gezeigten Tee/Kaffeeglashalter im Video am Flohmarkt gesehen, hätte ich ihn wohl als Touristenschrott nicht weiter beachtet...

  • Ich bin noch nicht soooo alt, aber ich empfinde es als unschön, wohin sich die Tendenz bei jungen Menschen entwickelt.

    Softdrink aus Tasse, Kaffee aus dreckigem Haferl, Sekt/Champagner aus Plastikgläsern, Fisch mit normalem Messer, usw. Das geht schon mal, aber ich mag das eigentlich gar nicht.

    Ich möchte Dinge genießen, kredenzen, wertschätzen.


    Sonntagsgeschirr ist bei uns leider kein Thema, aber ich würde es mir wünschen. Ich kenne es aus meiner Kindheit noch.


    Dazu kommt einfach die Wertschätzung von Familienerbstücken (Schmuck, Haushaltswaren, etc.). Dieses Weitergeben an folgende Generationen erachte ich als sehr wichtig. Scheint aber aus der Mode zu kommen.

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