Uralter Krug m. Zinndeckel zu bestimmen

  • Hallo.


    Ich habe den Krug neulich aus einer Sammlung bekommen.


    Mich würde der Zweck und das Alter sehr interessieren.
    Etwas vergleichbares an Krügen habe ich noch nicht gesehen.


    Höhe ca. 20 cm.
    Sehr leicht da sehr dünnwandig.
    Drei Zinnmarken.
    Initialen: HMR


    Vielen Dank und Gruß
    :-)


    4 Bilder folgen

  • :-)


    Lieber tafler,


    Dein Walzenkrug hat mir viel Mühe bereitet, ist doch in der mir zugänglichen Literatur nicht dokumentiert.



    Die Engobe mit dem manganfarbenen Mittelfeld ließe auf Rochlitz-Lunzenau als Töpferort schließen. Allerdings gibt es bei den von dort stammenden, inzwischen selten gewordenen Walzenkrügen, keine oder nur ganz spärliche Verzierungen.


    http://www.google.de/imgres?im…IvZbu6vaRyAIVQtcsCh1niwra




    Zeitlich lege ich deinen Krug, wie Dreiwirbel schon gesagt, in die Mitte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. (Ohne die aufgelegten Modeln, sondern nur mit Stempeln im Mittelteil verziert und einfarbig, würde dein Walzenkrug mit einem Muskauer Walzenkrug aus der Mitte des 19. Jahrhunderts vergleichbar sein. Dieser Humpen wird im Bautzener Stadtmuseum aufbewahrt.


    Der Henkel deines Kruges hat, wie Rochlitzer Krüge, zwei Mittelgrate. Ob er unten spitz ausläuft, kann ich an den Bildern nicht erkennen. Der Krug wurde mit Draht von der stillstehenden Töpferscheibe abgezogen (parallel verlaufende gerade Abzugsrillen). Der Zinndeckel stammt aus der Barockzeit. Allerdings wurden ganz viele der schmucklosen Rochlitzer Krüge früher zerschlagen, um an die wertvollen Barockzinndeckel zu gelangen. (siehe Horschik: Steinzeug von Bürgel bis Muskau)
    Vielleicht ist der Krug jüngeren Datums und der Zinndeckel älter. Nennen wir Deinen Walzenkrug „sächsisch“ dann liegen wir einigermaßen richtig. Der Wert: ist relativ, Du musst jemanden finden, der ihn kaufen will, und ich denke, mit 200 € ist er dann gut bezahlt.

    Liebe Grüße Winfried




    Mein Avatar zeigt ein Narrenflötchen des 16. Jahrhunderts aus dem Töpferort Raeren.


    Alle meine Aussagen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen, jedoch ohne Gewähr für Ihre Richtigkeit. In keinem Fall wird für Schäden, die sich aus der Verwendung der abgerufenen Inhalte ergeben, Haftung übernommen.

  • Hallo.


    Vielen Dank euch für eure große Mühe.
    Gestern noch wusste ich gar nichts über den Krug. Heute schon VIEL mehr.
    Es lässt mir keine Ruhe wenn ich etwas habe und weiß nicht was.
    Habe mir die Augen nach vergleichbarem wässrig geschaut...
    Mir euren Anhaltspunkten versuche ich weiter zu kommen!


    Anbei noch ein Foto des Henkels mit den Mittelgraten.
    Ebenso Fotos der Fahne des Lammes. Es sind Zahlen und Buchstaben (?) zu sehen. Aber zu undeutlich:


    CC73 (?)
    darunter
    1671 oder 1821 (?)


    @ gerümpel: Was hat es mit dem Palmettenförmigen Drücker auf sich?


    Ich werde auch mal versuchen, die beiden Wappen mit gekreuzten Schwertern zu deuten. Wird aber schwierig bis unmöglich werden . Da sehr undeutlich.


    Die drei Zinnmarken (alle drei gleich) auf dem Deckel müssten doch auch zu deuten sein!? Auch wenn der Deckel evtl. nicht zum Krug gehört;)
    Habe aber noch nichts gefunden.


    Der Krug bleibt erst einmal bei mir in einer Vitrine. Da fast genau dieses Lamm unser Stadtwappen (Prüm) ziert.
    Trotzdem danke für die Preisermittlung.


    Ich bin über jede noch so kleine Information über den Krug dankbar.


    Vielen Dank euch noch mal und Gruß
    Robert

  • Hallo Tafler,
    wir hatten kürzlich hier einen Krug mit einem ähnlichen Drücker, den ich erst wegen des klassizistisch anmutenden Drückers für jünger hielt. Er war, genau wie der von deinem schönen sächsischen Walzenkrug, auch aus dem 18. Jh.;)

  • :-) Lieber tafler.


    Mit einem sächsischen Wappen ist die Wahrscheinlichkeit in Sachsen hergestellt zu sein, natürlich höher.
    Was aber nicht heißen soll, dass die schönen großen Pützkannen mit dem alten böhmischen Wappen in Böhmen hergestellt wurden. Die kamen aus Langerwehe bei Aachen.


    Hier noch ein Hinweis zum Deckel.


    Sollte der Krug wirklich aus Rochlitz-Lunzenau stammen, wäre es ein ganz besonderer und außergewöhnlicher Krug, da ansonsten diese "Honigkrüge" genannten Erzeugnisse der Region Rochlitz-Lunzenau keine aufgelegten Modeln besaßen. Dann würde ich damit zu einem Museum mit Rang und Namen in dieser Region gehen, um dort den Krug einmal vorzustellen. Die Deckel der Krüge aus Rochlitz-Lunzenau wurden meist in Rochlitz, Mittelweida, Oschatz, Grimma, Altenburg und Zeitz gegossen. Aber auch andere Städte kamen infrage (Horschik).


    Christliche Symbole sind auf vielen Gefäßen des 17. und 18. Jahrhunderts zu finden. Das Lamm Gottes, die Kreuzigung, Engel usw. Das Lamm Gottes sah ich in sehr ähnlicher Ausführung auf einem Creussener Krug des 17. Jahrhunderts. Alledings hatte das Lamm da ein Stabkreuz getragen.

    Liebe Grüße Winfried




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  • :) Nachdem ich mir auf BM6488s Posting,


    den/die ich hier ganz herzlich willkommen heiße, nach langen Jahren den Humpen noch einmal angeschaut habe,

    könnte ich heute diesen Krug nach Großalmerode verorten. Inzwischen habe ich von doert ähnliche Auflagen und Farben gesehen.

    Liebe Grüße Winfried




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  • :) this may depend on whether the work was commissioned.

    Liebe Grüße Winfried




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