• Hi Leutz,

    fiel mir vor einiger Zeit in die Hände, Farben schon verblasst und etwas korrodiert, daher nicht mehr leicht zu lesen. Die Firma gibt es anscheinend immer noch. Irritiert hat mich die Randumschrift des Deckels: "DOWA Suppenextrakte G.m.b.H. Nürnberg". Dazu findet man auch etwas, aber gehörten sie zusammen? Die Person scheint die selbe zu sein: Donatus/Donald Wachter. Habe die Schweizer auch schon angeschrieben und bekam die Meinung, dass diese Dose von 1934, dem Gründungsjahr, sein müsse, da sie bereits 1935 umbenannt wurde: "Donatus Wachter und Sohn".

    Was denkt ihr? Selbe Firma oder zwei verschiedene Firmen?

    Gruß Chippi

  • Ja, das muss das Gründungsjahr sein. Mein Urgroßvater Donatus (nicht Donald!) Wachter hatte die Firma gegründet (DoWa= Donatus Wachter) und recht bald seinen Sohn Hans mit in die Firma genommen. Mein Urgroßvater ging Mitter der Sechzigerjahre in Rente und zog zurück an den Bodensee vonnöten er stammte. Allerdings starb Hans Wachter 1966 im Alter von 57 Jahren. Der rüstige Donatus fühlte sich dringend gebraucht und übersiedelte wieder nach Schwaig um die Firma zu leiten - in seinen Spätjahren ergänzte er die salzige Linie durch Süßspeisen und Süßgetränke. Meine Geschwister und ich waren die Versuchskaninchen seiner anfangs grauenhafter Produktideen. Als Donatus im Alter von 93 Jahren starb übernahm der Sohn Gernot von Hans die Firma. Das ging aber nicht gut. Nach einigen Jahren schied Gernot Wachter aus und die Führung übernahm seine Schwester Gritli zusammen mit ihrem Mann (Familienname Ganzer). Das nur in Kürze. Ich könnte noch viel erzählen, weil ich meinen Urgroßvater erst mit 19 Jahren verlor. Er war ein ebenso fanatischer Virginiaraucher wie Kartenspieler - legendär seine Treffen mit seinen ebenfalls rauchenden Kartenfreunden in einem Zimmer - Man konnte kaum die gegenüberliegende Wand sehen.

    Schöne Grüße vom Bodensee Thomas Schnell

    • Official Post

    :) Lieber Thomas Schnell,

    erst einmal ein herzliches Willkommen im Forum.

    Da taucht bei uns eine kleine, nicht gerade schöne Dose auf. Unser lieber Chippi hat sie mitgebracht und sich die Mühe gemacht, diese Dose etwas zu hinterfragen. Und schwupps.....tauchst Du schon auf, lieber ST, und überraschst uns mit einer spannenden Firmengeschichte rund um diese kleine Dose. Ich ordne das als "Glücksfall" für uns ein. So etwas ist in den letzten 10 Jahren, die ich im Forum als aktives Mitglied immer dabei war, noch nicht vorgekommen. Chapeau lieber Freund. Toll.

    Liebe Grüße Winfried


    Mein Avatar zeigt ein Narrenflötchen des 16. Jahrhunderts aus dem Töpferort Raeren.

    Alle meine Aussagen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen, jedoch ohne Gewähr für Ihre Richtigkeit. In keinem Fall wird für Schäden, die sich aus der Verwendung der abgerufenen Inhalte ergeben, Haftung übernommen.

  • Habe etwas weiter zuhause im Archiv geforscht:

    Donatus Wachter (mein Uropa) lebte von 1881–1973) und wurde in Moos bei Eriskirch (nähe Friedrichshafen) in einem Bauernhaus geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in der Schweiz im Lebensmittelhandel. Er verdient damals sein Geld als Lebensmittelhändler und Gastwirt. Mit 27 Jahren heiratete er im Rheinland Maria und machte sich mit einem Milch-Käse-Butter-Geschäft selbstständig. Nach Ende des 1. Weltkriegs (habe ein Foto von ihm in Frankreich als Landser) waren sein Besitz und Vermögen zerstört. Er lies sich durch den Ruin nicht entmutigen und pachtete 1919 den "Hansahof" in Bad Godesberg. Er kam zu einigem Reichtum und fuhr einen Horch. Am Bodensee kaufte er zwei Häuser in Nonnenhorn und eines in Wasserburg sowie das Schachen-Schlössle. Die Währungsreform von 1923 ruinierte ihn ein zweites Mal und er zog mit seiner Familie, inzwischen hatten Donatus und Maria Wachter drei Kinder, nach Langenargen. (Von dort ist die Familiengeschichte überliefert wie er stolz mit einem Hochrad die Promenade entlangradelte (er war so ziemlich der einzige Besitzer eine solchen Rades) und vor allen spazierenden Leuten vom Hochrad in den Bodensee fiel.) Donatus war sehr dynamisch und unternehmerisch - er verdiente eine Zeit lang gleichzeitig sein Geld als Fotograf und betrieb einen Futterhandel sowie eine Ruderbootvermietung. 1927 gründete Donatus eine Kochschule und verfasste ein Kochbuch. Am 18.01.1934 dann endlich Gründung der DoWa Suppenextrakte in Nürnberg. Bereits 1935 trat der Sohn Hans in die Firma ein und sie wurde umfirmiert in "Donatus Wachter & Sohn oHG". Im 2. Weltkrieg wurde die Firma durch Bomben 1943 zerstört. Einige Maschinen nahm er vorher beim Umzug ins ländliche Nittenau mit um dort ohne Krieg weiterproduzieren zu können. Das Schicksal traf ihn dennoch: die einzige Bombe auf Nittenau zerstörte die dortige Produktionsstätte. Die Firma zog dann wieder nach Nürnberg. Doch im Januar 1945 wurde die Firma zum dritten Mal ausgebombt. Es folgte dann der Umzug der Firma nach Schwaig bei Nürnberg in angemietete Baracken eines ehemaligen Kinderheims. Donatus zog sich schon im Jahr 1951 (sorry, nicht Mitte der Sechzigerjahre) aus dem Geschäftsleben zurück - und lebte fortan gelangweilt (weil ohne Firma) am Ufer des Bodensees in Nonnenhorn. Die Firma konnte, ebenfalls im Jahre 1951, das Grundstück zum damals stolzen Preis von 13.000 DM erwerben. 1966 kehrte Donatus mit 85 Jahren in die Firma zurück nach dem Tod seines Sohnes Hans. In Schwaig bei Nürnberg starb er 1973 und wurde in Wasserburg am Bodensee beerdigt.

    Ja, er war eine wirklich prägende Figur unserer Familie:

    sein Sohn Hans hatte als zweiten Namen Donatus

    der 1938 geborene Sohn von Hans hieß Gernot und mit Zweitnamen Donatus

    meine Mutter Ingeborg war die älteste Tochter von Hans.

    Ich selbst führe neben dem Thomas als Zweitnamen ebenfalls Donatus im Ausweis.

    Ich habe zwar noch meinen deutschen Wohnsitz auf dem Grundstück von Donatus - lebe aber mit meiner Familie in Hard bei Bregenz

    Schöne Grüße aus dem Süden

    Dr. Thomas Schnell

  • Moin aus Hamburg,

    das ist ja wunderbar wie eine Dose hier quasi nach 7 Jahren im Dornröschenschlaf "zum Leben " erweckt wird. Danke für die schöne Familiengeschichte. Der Beitrag hat schon das Potenzial für einen "Lieblingsbeitrag" wie wir sie gerade zum 20. Geburtstag des Forums nominiert hatten.

    Mit besten Sammlergrüßen

    Gratian

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  • Ich habe noch vergessen zu erwähnen dass mein Urgroßvater (er kannte sich durch seine Wanderjahre ja in der Schweiz aus) einen Ableger dort gründete.

    Und zwar in Güttingen (zwischen Konstanz und Romanshorn). Er hatte eine zeitlang auch in Konstanz gelebt und das Restaurant "weißen Elefanten" betrieben. Der Familiensaga nach kam er (in Bad Godensberg lebend) eines Abends nach Hause und sagte seiner Frau Maria: "Am nächsten Monat bist du Wirtin in Konstanz im Elefanten". Jedenfalls ist es gut möglich dass aus seiner Konstanzer Zeit die Nähe zu Güttingen herrührt. Meine Mutter war Jahrgang 1934 und wurde noch in Konstanz geboren.

    Die Firma in Güttingen hatte sich sehr früh von Wachter/Schwaig bei Nürnberg abgespalten.

    Aber es gibt diese Firma noch immer - und sie hat noch die Urprodukte im Angebot, nämlich Hühnerbouillon, Fleischbouillon und Gemüsebouillon.

    Das tollste ist aber dass diese Firma heute noch DoWa heißt und ein nahezu identisches Logo führt welches mein Urgroßvater Donatus 1934 in der Ursprungsfirma benutzte.

    herzliche Grüße Thomas

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