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Schwarze Kunst Grundsätzliches zu Druck, Bindung, Einbänden, Lagerung, Restaurierung, Bilder von Bibliotheken, etc.

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Alt 27.10.2013, 11:38   #1
orthogonal
Major Domus u. KuT-Experte f. Bücher
 
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Als Kind habe ich leidenschaftlich Briefmarken gesammelt. Begonnen hat es mit einem schön beschriebenen Umschlag, den ich meinem Großvater abgebettelt hatte. Interessant war die nicht lesbare Schrift, aber noch viel interessanter die Marke, auf der "300 Millionen" stand. Sie wurde abgelöst und kam unter eine Glasplatte in der obersten Schreibtischschublade und jeder Gast meiner Eltern durfte sich erst hinsetzen, nachdem die Marke ausreichend gelobt worden war. Durch die darauffolgenden Mitbringsel wurden es in kürzester Zeit so viele Marken, dass sie unter der Glasplatte auch bei durchdachtester Anordnung keinen Platz mehr fanden. Zu Weihnachten kam dann endlich das ersehnte Briefmarkenalbum. Es war im A5-Format, und nachdem ich alle Marken von der Lade ins Album umgeschlichtet hatte, war es voll. Schon da gab es eine Ordnung: nach Ländern, der Wert aufsteigend.

Mit den nächsten Alben folgten auch die ersten Bestimmungskataloge. Deren Systematik nach Jahrgängen und interner Nummer war sehr einleuchtend, machte aber schrecklich unzufrieden, weil ich plötzlich nicht mehr sehr viele Marken hatte, sondern nun vor allem die fehlenden Marken überdeutlich auffielen. Ich wollte sie alle haben, kompromisslos alle. Ein Beleg dafür, der mich heute noch zum Schmunzeln bringt, ist ein Schuhkarton, der bis oben hin mit der "Grausamen Rosalia" gefüllt ist. Jede sauber abgelöst - in einer Klarsichthülle jene mit besonders schön lesbaren Stempeln. Dann kam die Zugsammlung. Der Mann einer Großtante hatte eine sehr große Markensammlung geerbt, die sich ausschließlich mit dem Thema "Zügen" beschäftigt. Schon bald war diese Sammlung die meine und ich völlig ratlos, was damit zu tun sei. So belassen? Zerrupfen und in meine Sammlung integrieren? "Briefmarken" war DAS große Thema. Das "Was ist Was"-Buch zum Thema hatte ich so oft durchgeblättert, dass es komplett zerfleddert ist. Irgendwann in der Unterstufe fand ich dann beim Spielen im Wald mehrere alte Kupfermünzen und schlagartig waren Briefmarken kein Thema mehr, Münzen waren das einzig Wahre. Egal wann und was ich gesammelt habe, einige Aspekte waren immer gleich:

Durch das Ding kommt der Bezug zur Zeit. Wenn ich von einer Rechnungssumme von mehreren Talern lese, nehme ich es hin. Wenn dann aber ein, zwei Taler dieser Zeit/Region vor mir liegen, entsteht ein Bild. Wenn ich von rationierten Nahrungsmitteln lese, denke ich höchstens: „Klingt unpraktisch!“. Wenn ich dann aber ein Kochbuch aus der Zeit durchblättere, in der angeleitet wird, wie man mit den zugeteilten Lebensmitteln haushalten kann, wird es plötzlich interessant. Wenn ich von einem lokalen Freiheitskampf lese, denke ich „Nix neues.“ Wenn ich dann aber einen Brief lese, in dem der Kommandant schreibt: „Ich weiß, dass du drei Gewehre hast, gib eines davon für unsere Sache!“ bin ich wieder aufmerksam. Daran schließt nahtlos die zwischenmenschliche Komponente an, wenn das Wissen geteilt wird, die Objekte für den Unterricht oder Ausstellungen zur Verfügung gestellt werden, Informationen werden ausgetauscht, bei Tausch/Kauf Kontakte mit Gleichgesinnten geknüpft.

Gerade das Sammeln von Büchern hat eine lange Tradition. Erst vor kurzem habe ich gehört, dass Sotherby’s anfänglich ausschließlich Bücher versteigert hat. Es klingt banal, aber Bücher haben nun mal eine zweite Dimension. Sie sind schöne Objekte, handwerklich aufwendig hergestellt, riechen gut. Aber sie sind zugleich auch voller Ideen. Kurz: Ein Buch kann man anschauen und man kann es lesen. Altes Porzellan kann man wohl auch benutzen, es vermittelt aber eher nicht die gleichen Einblicke. Ein anderer Aspekt ist, dass Bücher schlicht unterbewertet sind. Wenn jemand bereit wäre 1000 Euro in ein Buch zu investieren, spielt er damit schon recht weit vorne mit - für 1000 Euro in einer Gemäldegalerie nicht so weit vorn.

Alsdann: Warum sammelst du (Bücher)? Und wie sammelst du (Bücher) - Ära, Region, Einband, Autor, Thema, ...?
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Alt 27.10.2013, 12:59   #2
orthogonal
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Meine eigene Sammlung ist absolut themenorientiert. Ich freue mich über guten Zustand, Alter, bekannte Vorbesitzer, oder hohe Bewertungen, aber das alles ist im Grunde nebensächlich. Ich lese sie, markiere die besonders interessanten Stellen mit Papierstreifen, notiere Querverweise und schau sie immer wieder an. Es sind Bücher, die mir beim Durchblättern Freude machen und immer wieder neue Denkanstöße geben. Keines davon möchte ich hergeben.

Fast automatisch haben sich dann Bücher eingeschlichen, die nicht unbedingt dazupassen. Sie sind entweder sehr aufwendig gemacht, oder sehr alt, oder waren einfach so günstig, dass ich sie nicht stehen lassen wollte. Diese Bücher gehören nicht wirklich zur Sammlung. Sie dienen in va dem Tausch und als Reserve an Notfallgeschenken. Sie sind nett anzuschaun, aber ich kann sie ohne lang zu überlegen gehen lassen.

Und schließlich sind da noch Bücher, mit denen ich Geschichten verbinde. Entweder wurden sie mir zu Anlässen geschenkt und haben eine persönliche Widmung, oder ich bin mit den Autoren befreundet. Die Kosmos-Sammlung hat eine Sonderstellung: Ich habe die Büchlein so lang gesammelt, dass ich einfach nicht aufhören möchte. Mein Blick ist schon so auf das Format gedrillt, dass ich sie überall finde und weil nur mehr wenige fehlen und die Kosten im Cent-Bereich liegen, werde ich wohl weitermachen.
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Alt 29.12.2013, 18:23   #3
ischbierra
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Hallo orthogonal,
manchmal ist es wohl recht frustrierend; da schreibt man einen Beitrag - und niemand reagiert. Als Neuling hier bin ich dabei, so ein bißchen herumzustöbern; dabei fand ich auch Deinen Beitrag hier.
Und ich habe mich gefragt: Sammelst Du Bücher (und das bei einer Bibliothek von vielleicht 5500 Bänden)? Ich kaufe sie, weil ich sie lesen will (aus Vergnügen und Interesse) oder weil ich sie lesen muß (aus beruflichen Gründen - wobei auch hier durchaus manchmal auch Vergnügen zu verspüren ist). Nein, ich glaube, ich sammle keine Bücher. Sammeln wäre für mich, wenn ich zB Kochbücher oder Bibeln oder alles über Karl May oder Karl Marx sammeln würde. Im Gegensatz zu Dir, lege ich keine Papierstreifen ein, sondern unterstreiche und mache am Rand Anmerkungen - vermutlich ein nogo für Sammler. Allerdings, ältere Bücher oder solche, die vermulich seltener sind, lasse ich diesbezüglich in Ruhe - ich male nicht drin herum. Da sind dann ein paar wenige dabei, die ich behalte ohne sie wirklich zu brauchen und zu benutzen, allein weil sie alt sind; die Faszination des Gestrigen - die Du auch bei Briefmarken und Münzen beschreibst. In meiner Vorstellung hier im Forum schrieb ich, ich sammle nicht aber hebe auf (Ausnahme Münzen, die sammle ich). Es sind Dinge, die mir zugewandert sind, durch Familie und Freunde - sicher nichts Spektakuläres, aber Dinge die eine Geschichte haben die zumeist noch mit Menschen zu tun hat, die ich kenne. Mit der Zeit werde ich ein paar dieser Sachen auch hier im Forum mal zeigen, zumal ich von vielen nicht weiß, aus welcher Zeit sie genau stammen oder was sie einem Experten noch alles verraten.
Gruß ischbierra
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Alt 29.12.2013, 18:44   #4
hutschi 65
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manchmal ist es wohl recht frustrierend; da schreibt man einen Beitrag - und niemand reagiert.

das kann aber auch andere gründe haben . denn alles was ortho hier schreibt hat alles hand und fuß . und dann noch die die bücher.................einfach grandios !!!
einfach eine ganz andere liga in jeder beziehung . ich hab auch hunderte von büchern , aber nur ein "altes" von 1888 , china und die chinesen . ich bin kein büchersammler , sondern nur ein leser und suchender . alle bücher sind neuerer art und noch zu erwerben und ich hab sie nur aus einem grund , sie zu lesen . daher käme mir auch nie so ein mod . reader unter die finger .
aus dem grund kann man auch mal nichts sagen und einfach nur geniessen und die dinge anderer in ruhe schätzen .
__________________
gruß hutschi

ja ich sammle eierbecher und das ist gut so !
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Alt 29.12.2013, 22:16   #5
orthogonal
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Danke euch beiden für die netten Zeilen!

Lieber ischbierra, nun also heute schon das zweite Mal, dass ich dir schreibe: Frustration ist mir wesensfremd - ich kann mich leidenschaftlich ärgern, am nächsten Tag passt's dann meist auch wieder. Viel öfter kommt es hier aber vor, dass ich mich freue, wie zB über deinen Beitrag. Ich hatte mir an dem Tag die Frage gestellt, warum mich manche Dinge sehr interessieren, andere hingegen überhaupt nicht. Ein Bekannter sammelt Zahnpastatuben. Ich verstehe wohl seine Freude, wenn er etwas neues findet, den eigentlichen Antrieb aber nicht. In einem Buch von Philipp Blom hatte ich gelesen, dass für Sammler "das Objekt der Begierde austauschbar" sei. Das glaube ich nicht, obwohl sich auch meine Interessen mit der Zeit verschoben haben.

Deine Unterscheidung in Sachen die man sammelt und solche, die man aufhebt gefällt mir sehr gut. Nur den Sammelbegriff sehe ich weiter. Solange ein roter Faden erkennbar bleibt bin ich bei der genauen Ausgestaltung offen. Ein eingefleischter Bibelsammler könnte sich vermutlich für einen schönen Rosenkranz begeistern, und wird ihn als Teil der Gesamtsammlung sehen. Kinder die Euromünzen in vorgestanzte Kartonmappen drücken, freuen sich vermutlich dennoch über eine Sondermünze. Andernfalls wird es doch schnell langweilig.

Zumindest in meinem Fall hat der Versuch einer Selbstreflexion nicht viel gebracht. Gesammelt habe ich immer schon - als Kind Steinchen, nun eben unter anderem Bücher. Und selbst warum mich Bücher interessieren blieb offen. Ich mag sie eben. Und dennoch halte ich es für unwahrscheinlich, dass ich eines Tages leere Zahnpastatuben aneinander reihe.
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