Kunst und Trödel

 


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Schwarze Kunst Grundsätzliches zu Druck, Bindung, Einbänden, Lagerung, Restaurierung, Bilder von Bibliotheken, etc.

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Alt 22.04.2014, 23:43   #11
orthogonal
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Alt 23.04.2014, 20:13   #12
Kristall
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Standard Bedeutung der Wasserzeichen

Die in der vorindustriellen Zeit angefertigten Papiere wurden in einem Gittersiebrahmen mit Hand geschöpft. Diese Rahmen haben eine Besonderheit, die ein eigenes Forschungsgebiet darstellt. Es wurde in der Mitte ein Muster aus Draht eingeflochten, das spezifisch für den Hersteller war. An diesem Gitter lagerte sich dann weniger Papiermasse an, so dass diese Zeichen, die Wasserzeichen, genau wie die Schöpfgitter im Gegenlicht sichtbar sind.

Diese Wasserzeichen stellen ein eigenes Forschungsgebiet innerhalb der historischen Hilfswissenschaften dar, die Filigranologie. Der Nutzen dieses Fachgebietes wird klar, wenn man bedenkt, dass sich die Wasserzeichen im Laufe der Zeit kontinuierlich veränderten. Zum einen nutzen sich die Siebe beim Papierschöpfen immer weiter ab. Drähte lösen sich, fallen heraus oder verändern ihren Sitz. Irgendwann sind die Siebe so weit verschlissen, dass sie erneuert werden müssen. Dadurch verändern sich die Wasserzeichen auch, weil nie zwei identische Wasserzeichen ins Schöpfgitter geflochten werden können. Anhand von datierten Quellen können dann zeitliche und lokale Zuordnungen an Hand der Ausprägung des Wasserzeichens geschaffen werden.

Auf dem Schöpfbogen sitzt also mittig eingeflochten das Wasserzeichen. Wo das dann letztendlich im Buch landet kann man nicht sagen, da der Schnitt in einzelne Blätter zu einer eher willkürlichen Verteilung führt. Bei modernen Papieren, die kein Schöpfgitter aufweisen ist nur in Ausnahmefällen bei hochwertigsten Papieren mit einem Wasserzeichen zu rechnen. Mit dem Erscheinen industriell gefertigten Papiers ab der Mitte des 19. Jahrhunderts werden somit immer weniger Wasserzeichen eingebracht. Leider sinkt in der Folge auch die Papierqualität dramatisch ab, da Holzschliffzusätze und Massenleimung zu chemischen Reaktionen im Papier führten, die letztlich auf eine „Selbstzerstörung“ des Buchblocks hinauslaufen können.

Durch die neuen Möglichkeiten des Informationszeitalters sind inzwischen Datenbanken entstanden, die jedem offen stehen und in denen die im Laufe der Jahre von Archiven und Bibliotheken zusammen getragenen Wasserzeichensammlungen für jedermann einsehbar sind. Ein Beispiel dafür ist

http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php
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Alt 24.04.2014, 12:35   #13
orthogonal
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Vielen Dank für den hervorragenden Beitrag und den Link! Ich habe mir ein paar der Zeichen angeschaut und bin vom Alter überrascht. Die sind ja zum Teil aus dem 14. Jahrhundert! So alte Bücher mit Papierseiten habe ich nicht. In dem Bereich ist mir Chippi weit voraus.

Als unnützes Wissen wurde mir heute beim Frühstück erzählt, dass früher auch Maschinschreibpapier Wasserzeichen hatte. Es wurde anscheinend stets so eingespannt, dass es am unteren Ende der Seite war. So war es eine Orientierungshilfe, wann das Blattende kommt.
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Alt 18.04.2018, 11:13   #14
mcadder
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Ich hab bisher nicht wirklich auf Wasserzeichen geachtet und zumindest bei meinen ältesten Büchern auch keine gefunden.

Aber ich habe ein schönes neues altes Souvenir mit Wasserzeichen.

Laut beiligendem Echtheitszertifikat wurde das abgebildete Papier 1962 geschöpft, 10% der verwendeten Fasern stammen aus dem Ankertau der 1628 spektakulär gesunkenen und 1961 gehobenen Vasa.

Das Papier gibts im Museumsshop 20€ für 2 Blatt in schicker Leinenmappe und kann laut Beipackzettel ganz normal mit einem Tintenstrahldrucker bedruckt werden. Es gibt auch eine 100% Vasa Variante.
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vasa1.jpg   vasa2.jpg   vasa3.jpg  
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Alt 14.05.2018, 13:12   #15
mcadder
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Seit ich den Thread gelesen habe durchleuchte ich meine Bücher auch immer, wenn ich sie zur Hand nehme.

Folgende Wasserzeichen stammen alle aus einem Fragment eines Corpus Iuris Civilis wahrscheinlich die Ausgabe 1534 aus Lyon Fradin/Hugues de La Porte

Das Wappen findet sich auf dem Vorsatz, könnte also jünger sein. Da der Einband so gut wie nicht mehr vorhanden ist, kann ich dazu nichts sagen.

Dann eine Lilie, ein sehr häufiges Wasserzeichen,

Eine Traube

Und dann noch ein Zeichen, das ich absolut nicht bestimmen kann ich habe es einemal so gelassen wie es im Buch zu finden ist, hab aber keine Ahnung wo oben und unten ist. Hat irgendjemand eine Idee, was das darstellt?
Ist übrigens auf relativ vielen Seiten, dürfte sich also nicht um einen Fehler handeln
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Wappen Adler Krone.jpg   Lilie 1534.jpg   Traube 1534.jpg   unbekannt 1534.jpg  
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Alt 14.05.2018, 17:41   #16
Winfried
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das, lieber mcadder,

könnte eine Seite einer Handwaage sein. Als Apotheke habe ich in meinen ersten Jahren oft so eine Waage in der Hand gehalten. Später wurde elektrisch gewoogen.

https://www.museum-digital.de/nat/in...ekt&oges=29874

wenn es so ist, steht das Wasserzeichen auf dem Kopf.
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Geändert von Winfried (14.05.2018 um 17:41 Uhr) Grund: Beifügung
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Alt 14.05.2018, 20:53   #17
mcadder
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Winfried, du hast vollkommen recht, es ist eine Waage, nach dem Binden wurde das Papier offensichtlich immer an beinahe der selben Stelle beschnitten, eine hab ich jetzt noch gefunden, wo man den zweiten Arm der Waage erahnen kann.

Und der Vollständigkeit halber noch ein Wappen aus dem selben Buch.
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Waage 1534.jpg   wappen 1534.jpg  
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Alt 15.05.2018, 01:25   #18
Winfried
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Danke mcadder,

hier noch ein hübscher Link zu dem Thema Wasserzeichen:

http://www.bernstein.oeaw.ac.at/twik...catalog_de.pdf

Zufällig gefunden, und auch noch nicht gelesen.
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Alt 15.05.2018, 11:16   #19
orthogonal
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Ich freue mich, dass dieses Thema fortgeführt wird. "Wasserzeichen" sind wirklich ein hoch faszinierender Bereich. Winfried - toll erkannt! Auch der Link ist wunderbar: Die Seite 51 zeigt Trauben + Waage.
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Alt 15.05.2018, 12:20   #20
Winfried
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Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich mit Wasserzeichen im Papier noch nie auseinandergesetzt habe. Aber ....... was nicht bis jetzt war, kann ja noch werden!
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