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Schwarze Kunst Grundsätzliches zu Druck, Bindung, Einbänden, Lagerung, Restaurierung, Bilder von Bibliotheken, etc.

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Alt 16.07.2013, 21:10   #1
Chippi
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Teuer, trotzdem günstig, aber nicht billig.

Die Überschrift wird euch sicherlich stutzen lassen. Was meine ich damit?

Nun, ich war bei meinem Buchbinder, hatte dort 3 Bücher, eine Urkunde und 1 Bild zur Aufarbeitung gegeben. Heute habe ich die Sachen abgeholt und 160€ dort gelassen. Eine Menge Holz, dafür muss ich schon eine Weile für raspeln gehen.

Die Urkunde von 1950 stammt von meinem Uropa und befand sich bei meiner verstorbenen Oma auf dem Dachboden und "gammelte" vor sich hin. Den alten Rahmen habe ich schon entsorgt, aber das Glas habe ich noch und das spricht Bände. Genauso sah auch mein Schränkchen aus! http://www.kunst-und-troedel.info/sh...ht=volltreffer
Er hat die Urkunde beschnitten (der Rand war ziemlich unschön) und diese nun staubdicht, aber atmungsaktiv gerahmt! Eine Wissenschaft für sich, auch die Wahl des Rahmens. Der dunkelbraune Rahmen mit innen liegender Goldkante passt zur Zeit der Urkunde und lenkt gleichzeitig den Blick der stark fleckigen Urkunde zum Rahmen hin. Die unschönen Stellen treten dadurch in den Hintergrund, also wirklich eine Wissenschaft für sich. Der Rahmen ist übrigens handgefertigt, ebenso wie die Leisten dazu. An sich eine teure Angelegenheit (der Leistenmeter kostet je nach Art zwischen 20 und über 100€! Den hatte er aber übrig, gefertigt für einen früheren Kunden, der ihn aber doch nicht wollte, so kam er mir günstiger.

Doch nun zu den 3 Büchern. Ersteres ist ein kleines Gebetbüchlein für Kinder, um 1912. Der Einband ist handgefertigt, ebenso der Rückentitel und die Buchdeckelverzierung. Er besitzt noch alte Bronzelettern und Zeichen, das Kreuz habe ich aus seiner Auswahl ausgesucht, da es von der Größe her am besten passte. Es ist übrigens kein Gold, sondern Messingbeschlag.

Genauso wie beim zweiten Buch. Da hat er allerdings einen kleinen Fehler gemacht, der Autor heißt Müldener und auf dem Buchrücken steht Mildener, aber egal, früher haben sie auch Fehler gemacht! Den Einband wollte er genauso wie beim ersten Buch gestalten, weil es am abriebbestätigsten ist. Doch ich war dagegen, es passt nicht zum Alter des Buches, welches von 1874 ist, daher kam wieder Papier drüber, sogar Marmorisiertes, was jetzt sogar besser aussieht als vorher! Kein Vergleich zu früher!

Das dritte Buch war eines meiner Problemfälle, ich kaufte es vor Jahren schon so, doch war der Buchdeckel vorne nass geworden und schimmelte im Inneren immer wieder. Hatte es sogar über 1 Jahr im Tiefkühlfach gut verpackt gelagert. Auch diesen Buch wollte er einen Einband wie beim Ersten verpassen, doch auch hier protestierte ich, es sollte wieder ein kompletter Papiereinband werden und siehe da, es passt hervorragend zum Alter des Buches! Der Schimmel ist damit erstmal passé, der Buchblock ist aus Baumwolle (Hadern), da setzt er sich nicht fest, aber der Einband war aus Holzschliffpapier auf Pappe.

Als letztes habe ich noch dieses Bild neu rahmen lassen: http://www.kunst-und-troedel.info/sh...ghlight=hansen.
Wieder staubdicht und atmungsaktiv, der alte Rahmen war es nicht, war auch eine Menge Dreck drin. Auch hier wieder eine handgefertigte Leiste, wie sie Heute leider nicht mehr gefertigt werden (die kleinen und mittelständischen Firmen mit diesen Produkten sind leider pleite gegangen). Auch der Rahmen war schon vorgefertigt gewesen, aber etwas zu hoch, weshalb er den Rahmen gekürzt hat. Die verwendete Leiste kostet etwas über 40€ pro Meter!

Alles im Allen habe ich einen "Studentpreis" bekommen. Normal hätte er mir 8 Stunden zu 30€ (was schon günstig wäre, Handwerkskammer schlägt 45€/h vor, im Westen sind es sogar 58€/h) plus Materialien berechnen müssen!

Daher hab ich zwar eine Menge Geld gelassen, bin aber trotzdem sehr günstig davon gekommen und habe keine billige Ware/Leistung dafür erhalten! Denn Außenstehende wissen oft nicht, was für eine Heidenarbeit mit dem Binden eines Buches verbunden ist (Binden bzw. erste und letzte Lagen neu einbinden, Einband neu aufbauen, beschneiden, einpressen, Schrift setzen etc.).

Damit erstmal Schluss. Der Threadtitel dürfte sich jetzt für euch erschließen.

Gruß Chippi
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Alt 16.07.2013, 21:12   #2
Chippi
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Hier noch die restlichen Bilder zur Umrahmung meines langen Textes oben.

Gruß Chippi
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Alt 16.07.2013, 23:10   #3
orthogonal
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Herrlich, wieder viele Bilder, das macht Freude! Spannend, wie du den Büchern deine persönliche Note verleihst. Als ich gesehen habe, dass das Marien-Monogramm einem Christus gewichen ist, war ich erst stutzig. Das Ergebnis gefällt mir aber gut. Auch bei den anderen Büchern war die ursprüngliche Gestaltung nicht entscheidend, sondern es wurde verstärkt auf die künftige Nutzung und den eigenen Geschmack geachtet. Dieser Mut zur Veränderung ist bewundernswert, ich wäre dafür zu zögerlich.

Wäre es bei der Urkunde möglich gewesen, die verschlissenen Ränder hinter einem Passepartout zu verbergen?
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Alt 16.07.2013, 23:28   #4
Chippi
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Wäre möglich gewesen, aber für die Größe hatte er nichts mehr da. Er hätte eine komplette Leiste nehmen müssen und dann wäre alleine der einzelne Rahmen bei 100 bis 150€ gelandet.

Das Jesus-Kreuz ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass er kein Marienmonogramm besitzt.

Gruß Chippi
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Alt 16.07.2013, 23:37   #5
orthogonal
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Ich möchte im Oktober ein Buch verschenken, das noch im ursprünglichen (zerfledderten) Papiereinband ist, und bis dahin fest gebunden sein sollte. Der Buchbinder wird fluchen, weil ich eine recht konkrete Vorstellung habe, wie es werden soll. Dein Beitrag hat mir Mut gemacht das Projekt voranzutreiben. Wenn man die Materialkosten abzieht, scheint die reine Arbeitszeit ja ausgesprochen günstig zu sein.
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Alt 16.07.2013, 23:41   #6
Gratian
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Sind doch sehr hübsch geworden die Dinge...hier zählt ja vorallem der ideelle Wert und wer weis was das für 'ne Arbeit ist weis auch das die mir 160 EUR günstig bezahlt ist.
__________________
Mit besten Sammlergrüßen

Gratian
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Alt 16.07.2013, 23:42   #7
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Schöner Bericht! Meine Meinung finde ich bestätigt. Ein toller Rahmen kann das ganze Bild aufwerten (auch wenn es hier nur eine Urkunde ist).
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Alt 17.07.2013, 14:35   #8
Chippi
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Danke. Zwei Bücher habe ich noch dort, aber er hat viel zu tun und an mir verdient er ja auch nicht viel, daher sagte ich, er kann sich Zeit lassen. Werden irgendwann im August fertig. Mal sehen, wie diese werden. Es handelt sich zum Einen um ein Kräuterbuch um 1920, an sich nicht selten oder wertvoll, aber es gehört meiner Oma, welche es von ihrer Oma bekommen hat. Dort fehlte der hintere Buchdeckel, die Bindung ging auseinander und eine Seite war zerrissen. Beim Einband habe ich konkrete Wünsche geäußert und bestand auf eine Fadenheftung (vorher Eisenklammern, er hätte es am liebsten geklebt - dadurch kostet es mich etwa 45-50€). Und zum Anderen um die Geschichte der Philologie von 1891, ein dicker Wälzer, da müssen die vorderen und hinteren Lagen nachgeheftet werden und ein komplett neuer Einband drum.

Auf die Ergebnisse bin ich schon gespannt.

Gruß Chippi
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Alt 17.07.2013, 22:22   #9
Chippi
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Zu erwähnen sei noch beim dritten Buch, dass der Einband aus handmarmorierten Papier (Bogen kostet 24€ und wird nicht mehr hergestellt) gefertigt wurde. Es gibt noch gedrucktes Marmorpapier (Bogen 2€!), aber damit würde das Buch nicht zur Geltung kommen.

Gruß Chippi
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Alt 07.08.2013, 13:09   #10
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Chippi, nun ist's so weit. Ich habe mein erstes Buch zum "Richten" gegeben. Es handelt sich um die Festschrift, die ich im Quiz (#10938) mal erwähnt hatte und im Oktober verschenken möchte.

Der Laden könnte eine Filmkulisse sein - in einem der alten Häuser, in denen das Erdgeschoss noch Kreuzgewölbe hat, der Kundenbereich keine 4 m2 groß, aber mit Blick auf die alten Maschinen im Hinterraum. Der Inhaber, ein kleiner, weißhaariger, sehr gut gekleideter, älterer Herr, hat sich geduldig meine Wünsche angehört, bevor er mit einigen ausgezeichneten Vorschlägen gekommen ist.

Dann kam die große Frage und ich war für den Bruchteil einer Sekunde unschlüssig. Ich schätze das Buch auf € 30 und magischerweise war der Kostenvoranschlag ebenfalls exakt € 30. Da es ohnehin verschenkt wird und ich quasi keine Anschaffungskosten hatte, dachte ich: "Was solls." Doch der Herr hatte mein vermeintliches Pokerface durchschaut und meinte: "Das Ergebnis wird Ihnen gefallen. Falls Sie aber bei Abholung immer noch denken sollten, die Arbeit sei weniger wert, verrechne ich Ihnen nichts und kaufe Ihnen das Buch für € 50 ab."

Na das ist mal ein Argument!
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Geändert von orthogonal (07.08.2013 um 15:09 Uhr)
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